Vor einigen Tagen hat Google seine neuen Suchergebnisse namens „Search Plus Your World“ vorgestellt. Hochgepriesen von Google selbst, wenig geschätzt von den ersten Nutzern und der Social Network Konkurrenz, rankt der Suchmaschinengigant nun auch „Personal Content“ auf seiner Ergebnisseite. Dieser Schritt, den man seit dem Start von Google+ schon vermuten durfte, sorgt für Aufruhr in der SEO-Szene und ist Grund für die ersten Spekulationen über eine wackelige Zukunft für Facebook und Twitter.
Die Idee hinter „Search Plus Your World“ erklärt Google wie folgt: Bisher waren die Suchergebnisse auf Webseiten limitiert, die von Menschen kreiert wurden, die der Suchende nicht kennt. Jetzt findet ein Suchender zusätzlich dazu Ergebnisse von Menschen, die ihm wichtig sind und für deren Meinung er sich interessiert. Klingt ja – wie immer wenn Google’s Marketinggenies am Werk sind – sehr positiv.
Praktisch bedeutet „Search Plus Your World“ dass Profile, Statusmeldungen, Fotos und Co, die auf Google’s Sozialem Netzwerk Google+ geteilt wurden nun in die Suchergebnisse mit aufgenommen werden. Meine Suchanfrage nach „Süd-Ost Asien Reise“ kann also in Zukunft dazu führen, dass Urlaubsfotos eines nahestehenden Google+Freundes vor Webseiten von Reiseportalen gelistet werden. Aber auch eine Statusmeldung à la „Mein Chef labert mich gerade mit Geschichten seiner letzten Süd-Ost Asien Reise voll“ eines entfernten Google+Bekannten wird vor „normalen“ Suchergebnissen gereiht. Ob diese neuen Resultate von „Search Plus Your World“ die Suche wirklich vereinfachen ist fraglich und meines Erachtens sehr kritisch zu betrachten!
Es stellt sich die Frage nach dem wahren Motiv der Einführung von „Search Plus Your World“. Und das ist meiner Meinung nach eindeutig. Google will Google+ stärken, zum führenden Sozialen Netzwerk machen und Facebook und Twitter verdrängen. „Search Plus Your World“ hilft offiziell den Suchenden, in Wirklichkeit hilft es vor allem Google selbst.
Da die personalisierten Ergebnisse sich nur auf Google+ beziehen, werden Unternehmen ihrer Google+ Page mehr Aufmerksamkeit schenken (müssen). Der Grund, warum Google lediglich Inhalte des eigenen Sozialen Netzwerks und nicht auch von Facebook und Twitter integriert, ist dass deren Inhalte für Google nicht crawlbar sind – aus Sicherheitsgründen. Und somit sind wir wieder beim allseits beliebten Thema Sicherheit angelangt.
Der durchschnittliche Sucher wird sicher von den personalisierten Ergebnissen von Google überrascht, wenn nicht sogar schockiert sein. Google sieht das etwas anders und betont, wie wichtige für Google die Sicherheit ist. Alle Daten seien SSL verschlüsselt und somit nur für den jeweiligen Nutzer sichtbar. Außerdem könne man die personalisierten Ergebnisse filtern, sodass quasi die „alten“ Resultate aufgelistet werden. Tja, ob sich Datenschützer damit zufrieden geben? Oder Facebook und Twitter sich Google unterordnen werden bzw. müssen um überleben zu können? Oder wird dieser gesamten Story über “Search Plus Your World” zu viel Wichtigkeit beigemessen? Was denken Sie?




Ich persönlich kann auf die Funktion verzichten und werde sie wahrscheinlich abschalten, denn was interessiert mich bei fachlichen Recherchen die Vorlieben einer Person, mit der ich wegen ganz was anderem bei Google+ vernetzt bin (oder noch weniger: aus dem “Dauerspammer”-Kreis). Die Funktion würde vielleicht Sinn machen, wenn man Kreise an- und abwählen könnte. Aber ich persönlich mag bei fachlichen Recherchen erst einmal neutral an die Sache herangehen. Dazu wähle ich inzwischen schon die Incognito-/InPrivate-Funktionen, die die verschiedenen Browser ja haben.
Die andere Seite ist das Diktat, das Google ausübt. Will ich als Webseitenbetreiber oder Blogger sichtbar sein in der Google-Suche, die ja eine Quasi-Monopolstellung hat, muss ich bei Google+ aktiv werden, ob ich will nicht. Das ist jetzt ja schon seit Monaten bekannt und zu bemerken, aber diese intensivere Verknüpfung zieht die Daumenschrauben enger. Das geht doch in Richtung Nötigung. Wenn sich etwas als eine Art Social Search gibt, dann müssen mehrere Soziale Netzwerke integriert sein – oder die Funktion wird auf die Nebenleiste gelegt, so wie es bis August ja mit der Twittersuche war.
Hallo Eva, vielen Dank für deinen Kommentar. Ich glaube, dass viele User deine Meinung teilen. Sobald die breite Masse von Google’s neuen Suchergebnissen Wind bekommen hat, wird Google sicherlich unter Druck geraten. Facebook, Twitter und MySpace gehen bereits jetzt auf die Barrikaden und wollen “sich selbst in die Ergebnisse integrieren”. Wir dürfen gespannt sein, wie sich “Search Plus Your World” entwickelt!