Kopiert Bing die Suchergebnisse von Google

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Bing kopiert Suchergebnisse von Google – diese Schlagzeile sorgt seit Anfang Februar für große Aufregung in der Suchmaschinenwelt. Seither lieferten sich die beiden Giganten einen offenen Schlagabtausch. Wie reagiert Microsoft auf die Anschuldigungen seines größten Konkurrenten? Hat Google Beweise für diese Behauptung? Riskiert ein Konzern wie Microsoft wirklichl eine derartige Rufschädigung durch simples Kopieren? Wir haben recherchiert.

Der Sachverhalt
Im Mai letzten Jahres bemerkte Google, dass die Suche nach Begriffen, die Rechtschreibfehler enthalten, auf Bing immer öfter zu ähnlichen Ergebnissen führte wie auf Google selbst. Im Oktober 2010 entdeckten die Techniker in Mountain View schließlich eine verdächtige Ähnlichkeit der ersten 10 Ergebnisse – besonders der Erstgelisteten – auf den beiden SERPs (Search Engine Result Page) und wurden stutzig. Vorweg gleich eine wichtige Klarstellung: Bing lieferte zu keinem Zeitpunkt und in keiner Suchanfrage komplett idente Resultate wie Google. Dass es aber immer mehr Überschneidungen gab, lässt vermuten, dass Bing den Suchalgorithmus, sagen wirs mal so, in Richtung mehr „Google-like“ verändert haben könnte.

Die Vermutung
Google konnte sich die Gleichartigkeit der SERPs, vor allem bei Suchanfragen mit Rechtschreibfehlern, nicht anders erklären als dass Bing die eigenen Ergebnisse kopiert. Die Vermutung wurde aufgestellt, dass Microsoft mittels dem hauseigenen Browser Internet Explorer bzw. der Bing Toolbar das Suchverhalten der GoogleUser trackt und in die eigene Ergebnisgenerierung aufnimmt.

Das Experiment
Um den Spekulationen auf den Grund zu gehen, hat Google zum allerersten Mal in der Geschichte manuell in den Code eingegriffen und somit Suchergebnisse manipuliert. Man hat 100 sogenannte „synthetische“ Suchanfragen nach Buchstabenkombinationen (zB hiybbprqag) gestellt, die sehr wahrscheinlich nie jemand wirklich eintippen würde und anschließend Ergebnisse geliefert, die absolut irrelevant waren.

Am 17. Dezember 2010 begannen Google Techniker nach diesen Begriffen via Internet Explorer Suggested Sites und Bing Toolbar auf Google zu suchen. Zu diesem Zeitpunkt führten die gleichen Suchabfragen auf Bing zu keinen Resultaten. Auf Googles SERP erschienen die zuvor festgelegten Webseiten, welche Googles Techniker auch klickten. Am 31. Dezember erschienen einige dieser Suchergebnisse auch auf Bing. Diese Tatsache galt für Google als Bestätigung, dass Bing die Resultate einfach kopiert hat.

Suchergebnis von Google für den Begriff "hiybbprqag"


Googles manuelles Suchergebnis für „hiybbprqag“

Suchergebnis für den von Google erfundenen "synthetischen" Suchbegriff "hiybbprqag"

Suchergebnis für „hiybbprqag“ auf Bing

Das Contra
Der Ausgang des Experiments wurde in den letzten zwei Wochen oft so präsentiert, als würde Bing in Situationen, in denen der eigene Suchalgorithmus den Anforderungen nicht gerecht wird, einfach bei der Konkurrenz abschreiben. Das ist allerdings nur eine Darstellung der Fakten. Andererseits sollte das tatsächliche Ergebnis des Experiments mal genauer betrachtet werden: Googles „synthetische“ Suchanfragen lieferten auf Bing nur in 9 % der Fälle das gleiche Resultat.

Bing streitet nicht ab, dass es mit Hilfe des IE das Suchverhalten der User beobachtet, sondern gibt zu verstehen, dass sich dies nicht auf Google beschränkt. Analysiert werden alle möglichen Arten von Suchmaschinen, so zum Beispiel auch Amazon. Theoretisch kann Microsoft verfolgen, wonach ein User auf Amazon gesucht hat, welche Produkte angeklickt wurden, wann die Seite verlassen wurde, welche Website als nächstes besucht wurde, dieses Verhalten dann analysieren und in die Relevanzbeurteilung der eigenen Suchergebnisse einfließen lassen.

Bing hat also ein sogennantes „Search Signal“ auf Basis vieler anderer Suchmaschinen entwickelt. Es bildet geimeinsam mit vielen anderen Faktoren den Suchalgorithmus, der zum Ranking auf der SERP führt. Ein Sprecher von Bing erklärte, dass das Search Signal nur bei wenigen Suchabfragen zum Einsatz kommt. Bei head queries, also häufig gesuchten Begriffen, spielt es keine Rolle, bei tail queries, weniger häufig gesuchten Begriffen, läuft es womöglich in die Berechnung mit ein. Je ungewöhnlicher der Suchbegriff, darunter fallen auch Schreibfehler, desto wichtiger das Search Signal. Aber auch dann wird es nicht zu 100 % eingesetzt. Wie das Google Experiment zeigt, trägt es selbst bei sehr utopischen Buchstabenkombinationen nur in 9 von 100 Fällen zum Ranking bei.

Bing oder Google – wer hat Recht?
Google ist der Meinung, dass Microsoft unfair handelt und vergleicht die Situation mit einem Marathon: Es ist als würde man einen Marathon laufen und jemanden huckepack tragen, der dann kurz vor dem Ziel abspringt und vor einem selbst ins Ziel läuft.

Microsoft ist der Meinung, dass es sich nicht um Kopieren handelt, sondern um Benutzerbeobachtung.

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Dominik Fürtbauer

Dominik Fürtbauer

Beschäftigt sich mit dem Thema Social Media Marketing und ist Experte für digitalen Markenaufbau in Social Media Kanälen. Als zertifizierter Social Media Manager verhilft er Unternehmen bei der Strategieentwicklung sowie der Umsetzung von Social Media Kampagnen. In seinen Vorträgen spricht er über den Wandel der Gesellschaft und dem Konsumverhalten der jungen Generation im Internet und warum Unternehmen künftig nicht auf Social Media Marketing verzichten können.

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Am 13. Februar 2011
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